Einige Themen im Bereich des Gesundheitswesens scheinen so interessant zu sein, dass gleich mehrere Studien binnen kürzester Zeit in Auftrag gegeben und die Ergebnisse publiziert werden. Nach der Universität Köln und den Betriebskrankenkassen hat jetzt auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine Umfrage zur Wartezeit beim Arzt vorgestellt, bei der 6.000 Patienten zu Wort kamen. Das Gezeter um Privatpatienten, die bevorzugt würden, trat dieses Mal nicht zutage. Nur zehn Prozent sagen, sie müssten zu lange warten, will heißen: 90 Prozent sind zufrieden. Dass die Studie von Kassenärzten finanziert wurde, könnte – ohne Böses zu denken – ein wenig zu diesem Ergebnis beigetragen haben.

Zuständig für die Umfrage war die Forschungsgruppe Wahlen. Sie sagt eindeutig: Gesetzlich Versicherte müssen nicht viel länger warten als Patienten mit privater Krankenversicherung. Lediglich, wenn es sich um lange Wartezeiten von mehr als drei Wochen handle, machten sich Unterschiede bemerkbar und würden Privatpatienten bevorzugt. Auch, wenn man schon im Wartezimmer sitzt, kann die PKV als Kostenträger dazu beitragen, schneller an die Reihe zu kommen. Im Schnitt wartet man rund 30 Minuten, wobei PKV-Kunden hier im Vorteil sind. Der Grund ist für den Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, kein Geheimnis: „Privat Versicherte sind für die meisten Praxen überlebensnotwendig.“ An der Qualität der medizinischen Behandlung ändere sich dadurch nichts.

Das zeigen auch die weiteren Ergebnisse der Studie. Die meisten sind sehr zufrieden mit ihrem Arzt. Rund 84 Prozent waren 2007 beim Hausarzt und sprechen zu 92 Prozent von einem guten bis sehr Vertrauensverhältnis und einer hohen Fachkompetenz. In der Gesundheitsreform sehen die Patienten – 84 Prozent PKV und 76 Prozent GKV – keinen Grund für eine qualitative Veränderung. Gespürt haben viele, immerhin 41 Prozent, dass es teurer geworden ist. An den möglichen neuen Tarifen der gesetzlichen Krankenversicherungen haben dennoch die wenigsten Interesse. Wenn, dann würden sich knapp zwei Drittel für eine Variante entscheiden, bei der sie Geld erstattet bekommen, wenn kein Arztbesuch nötig war. Auch das Hausarztmodell trifft bei 60 Prozent auf Zustimmung. Nur 25 Prozent hätten Interesse an Verträgen mit Selbstbehalt. Und was die Praxisgebühr von zehn Euro angeht: Die könnte nach Ansicht der Mehrheit ruhig gestrichen werden.