Do 31 Jul 2008
Privat Versicherte werden seltener in die Klinik überwiesen
Geschrieben von krankenversicherung unter News
Kunden der privaten Krankenversicherungen genießen eine Reihe von Vorteilen und zahlen auch dafür. Sie werden vom Chefarzt behandelt, liegen bequem, ohne ständige Störungen im Einzelzimmer und erhalten die neuesten Medikamente. Dass sie auch schneller einen Termin bekommen und eher an der Reihe sind, wenn es beispielsweise um einen Hörtest oder die Magenspiegelung geht, hat das Kölner Institut für Gesundheitsökonomie erst kürzlich noch im Rahmen einer Studie nachgewiesen. Im Servicebereich sind PKV-Mitglieder den gesetzlich Versicherten eindeutig überlegen. Doch nicht alles ist Gold, was glänzt.
Denn, so der Leiter des wissenschaftlichen Institutes der privaten Krankenversicherungen, Christian Weber: „Privatpatienten werden im Durchschnitt seltener in die Klinik überwiesen als Kassenpatienten.“ Das hat einen guten Grund. Während bei der GKV die Leistungen schon beim ersten Besuch im Quartal abgegolten sind und es für weitere Untersuchungen kaum noch Geld gibt, lassen die privatversicherten Patienten die Kasse klingeln. Jede Leistungen, die der Arzt erbringt, kann in Rechnung gestellt werden. Das verführt dazu, selbst zu behandeln, statt in die Klinik zu überweisen. Je nach Krankheitsbild kann sich das für den Patienten auch als Nachteil erweisen.
Diese Entwicklung ist anhand von Zahlen nachzuvollziehen. „Die Menge der ambulanten ärztlichen Leistungen steigt bei Privatpatienten in jedem Jahr um etwa vier Prozent an“, erklärt Christian Weber. Das heißt, wer in der PKV ist, erhält immer mehr Untersuchungen und Behandlungen, ist also teilweise schon überversorgt. Bei Patienten mit Versichertenkarte einer GKV ist das nicht möglich. Besonders deutlich ist der Trend bei Heilpraktikern. Das Wachstum bei ihnen liegt bei stolzen elf Prozent.
Als problematisch eingestuft wird auch der vermehrte Griff zu gerade neu zugelassenen Medikamente. Sie seien zwar grundsätzlich sicher. Was fehlt seien die Erfahrungswerte, die bei bewährten Produkten dank jahrelanger Beobachtung vorhanden seien. Das betreffe unter anderem seltene Nebenwirkungen, die auftreten können. Das heißt: Neue Medikamente, die häufig per Privatrezept verschrieben werden, sind nicht zwangsläufig besser. Lediglich wenn sie den Vorgängerpräparaten überlegen seien, sollte man dieses Risiko eingehen, ansonsten sei es nicht akzeptabel.
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