Do 12 Jun 2008
PKV-Vorstoß löst Verärgerung und Zustimmung aus
Geschrieben von krankenversicherung unter News
Dass ein Papier, das noch nicht einmal offiziell ist, für einen solchen Ärger sorgen würde, hätten die Verantwortlichen der privaten Krankenversicherungen sich angesichts der angespannten Lage des deutschen Gesundheitswesens denken können. Wenige Tage nachdem das Arbeitspapier von der Financial Times Deutschland publik gemacht wurde, hagelt es jetzt Kommentare zur Idee, eine Einheitsversicherung für Jedermann zu schaffen. Dabei ist die Verärgerung über den Vorstoß weitaus größer als die Zustimmung.
Seitens der Bundesärztekammer heißt es, die Koexistenz privater und gesetzlicher Versicherungen sei im internationalen Vergleich einzigartig. Einen Basistarif zu schaffen und gleichzeitig der privaten Krankenversicherung das ausschließliche Recht an Zusatzleistungen zuzusprechen können nicht angehen. Franz Gadomski, Vorsitzender des Ausschusses „Gebührenordnung“ der Bundesärztekammer erinnerte in diesem Zusammenhang an den Beschluss des Deutschen Ärztetages, der gegen eine Angleichung der beiden Systeme ist. Die aktuellen Probleme der gesetzlichen Kasse könnten nicht nur durch eine schwächere PKV ausgeglichen werden.
Auch die Innungskrankenkassen vermuten hinter dem Vorstoß der privaten Krankenversicherung ein gewisses Kalkül. Der Sprecher, Joachim Odenbach, erklärte dazu in einem Interview: „Die Konzerne kämpfen für einen möglichst niedrigen Basistarif, um dann ihr teure Zusatzleistungen anbieten zu können.“ Das Wissenschaftliche Institut der AOK hingegen ist durchaus für eine Aufhebung der Trennung zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung, allerdings nicht unter allen Umständen. Ein einheitlicher Markt würde für Wettbewerb sorgen, wovon auch die Versicherten profitieren würden. In diesem Sinne sei ein Einheitstarif „Quatsch“. Positiv sehen die Grünen die Idee der Versicherungswirtschaft. Deren Gesundheitsexpertin, Birgit Bender, glaubt, dass nun endlich auch die privaten Versicherer erkannt hätten, ein geteilter Versicherungsmarkt auf lange Sicht keinen Sinn ergebe.
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