Von dem Hickhack der vergangenen Tage war während der Jahrestagung des Verbandes der privaten Krankenversicherungen am Mittwoch in Berlin nicht mehr viel zu spüren. Gleichwohl bestimmten die Berichte und Spekulationen über einen angeblich von einigen großen PKV propagierten Wandel des Gesundheitssystems der Bundesrepublik die Versammlung. Davon hatte sich der Verband bereits distanziert und stellte noch einmal klar, dass niemand die private Vollversicherung aufgeben wolle.

„Die private Krankenversicherung ist als marktwirtschaftliche Alternative zu einer zunehmend staatlich regulierten Grundversorgung in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung unverzichtbar“, betonte der Vorsitzende des Verbandes, Reinhold Schulte. Die PKV müsse weiter ausgebaut werden. Dafür hätte sich die Mitgliederversammlung einstimmig ausgesprochen. Sie stehe auch uneingeschränkt zum bestehenden Gesundheitssystem. Das vorliegende Papier des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft sei keine Absichtserklärung gewesen, sondern befasse sich mit Reformoptionen in allen Zweigen der sozialen Sicherung und spiele lediglich Szenarien für das Jahr 2020 durch. Die Arbeitsgruppe, die dafür verantwortlich sei, habe die Ergebnisse bereits als nicht vorlagereif eingestuft. Als Beleg für die Position des PKV-Verbandes nannte Schulte die Geschlossenheit, mit der man in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde eingelegt habe.

Dass die private Krankenversicherung den Blick nach vorne richtet, zeigen auch die Bemühungen um eine eigenständige Pflegeberatung der PKV. Damit gehe man einen besseren Weg als er mit dem Konzept der Pflegestützpunkte für die soziale Pflegeversicherung eingeschlagen worden sei. 270 Pflegeberater sowie eine Pflegehotline sollen am dem 1. Januar 2009 zur Verfügung stehen. Dazu hat der PKV-Verband ein eigenständiges Pflegeberatungsunternehmen gegründet, das Angehörigen und Betroffenen unmittelbar Hilfe leisten und den Weg durch die Bürokratie verkürzen soll. Zudem werden rund 10,5 Millionen Euro im Jahr investiert, um gegen den Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen vorzugehen. In punkto Basistarif sei man bei der Umsetzung voll im Plan, ist von einem Erfolg des Modells jedoch wenig überzeugt und setzt ganz auf einen Erfolg der Verfassungsklagen gegen die Reformregeln.