Do 3 Apr 2008
PKV-Mitglieder erhalten schneller einen Termin
Geschrieben von krankenversicherung unter News
Geahnt hat es jeder, jetzt ist es offiziell: Mitglieder einer privaten Krankenversicherung müssen nicht so lange auf einen Termin beim Facharzt warten wie gesetzlich Versicherte. Dass die Studie für Unmut gesorgt hat, ist verständlich. Der „schwarze Peter“ wird nun den Ärzten zugeschoben. Doch die wehren sich und erhalten dabei Rückendeckung vom Verband der PKV: Das eigentliche Übel sei die Politik und damit einhergehend die Budgetierung, der sich die Kassenärzte unterordnen müssten.
Für den Test wurden vom Institut für Gesundheitsökonomie 189 Praxen telefonisch zwecks einer Terminvereinbarung kontaktiert. Besonders gravierend sind die Unterschiede bei den Wartezeiten für Magenspiegelungen. Kassenpatienten warten 36,7 Tage, Privatpatienten 11,9 Tage, bis der Arzt sich Zeit für sie nimmt. Dass sich durch die lange Wartezeit medizinische Risiken ergeben können, ist nur einer von vielen Punkten, die nun heftig diskutiert werden. „Verzögerungen sind in solchen Fällen kein Kavaliersdelikt“, sagt beispielsweise Karl Lauterbach von der SPD. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Ärztekammer betonen auf der anderen Seite, dass Termine einzig nach medizinischen Gesichtspunkten vergeben würden. Dabei sei es unerheblich, ob der Patient in einer PKV oder bei den gesetzlichen Kassen versichert sei. Eine Verpflichtung, so schnell wie möglich einen Termin zu vergeben, bestehe zudem nicht. Der Grund, warum PKV-Patienten eher an die Reihe kämen, liege vielmehr darin, dass viele Ärzte auf die zusätzlichen Einnahmen durch die Privatpatienten angewiesen seien. Die staatliche vorgegebene Unterfinanzierung nötige viele Ärzte dazu, Behandlungen in das folgende Quartal zu verlegen. „Die wahrnehmbaren Unterschiede im Service zwischen privaten und gesetzlichen Kassen sind in der Budgetierung der gesetzlichen Versicherung begründet“, sagt auch der Direktor des Verbandes der privaten Krankenversicherung, Volker Leienbach.
Für die Bundesregierung ist der aktuelle Zustand unhaltbar. Ihre Forderung an die Kassenärztlichen Vereinigungen ist daher eindeutig: Es muss gegen die unterschiedlichen Wartezeiten vorgegangen werden, damit eine reibungslose Versorgung der GKV-Mitglieder gewährleistet sei. Patienten werden deshalb dazu aufgerufen, sich bei ihrer Krankenkasse zu beschweren, sollte ein Privatpatient bevorzugt werden. In dem Fall könne interveniert werden und bestünden auch Sanktionsmöglichkeiten. Eine Besserung erhofft man sich zudem von den neuen Ärztehonoraren, die mit der Reform 2009 geplant sind.
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