Langsam aber sicher bekommen die Mitglieder der privaten Krankenversicherungen die Auswirkungen der Gesundheitsreform zu spüren. Die Luft wird dünner und die PKV rigoroser, wenn es um die Übernahme von Behandlungskosten geht. Hier sehen viele der privaten Krankenversicherer derzeit die einzige Möglichkeit, zu sparen. Ganz um eine Anhebung der Beiträge werden die meisten PKV jedoch nicht umhin kommen. Spätestens, wenn in den nächsten Tagen der Beitragssatz für den Basistarif präsentiert wird, werden auch die Kunden in den höheren Tarifen wissen, was die Stunde geschlagen hat. Denn der als unrentabel geltende Basistarif wird wohl oder übel durch eine Umlage der übrigen Versicherten mitgetragen werden müssen.

Schon jetzt drücken viele der Unternehmen ihre Ausgaben, wie Peter Gaidzik, Leiter des Instituts für Medizinrecht an der Universität Witten/Herdecke festgestellt hat. Das Ergebnis seien Arztrechnungen, die der in der PKV Versicherte aus eigener Tasche bezahlen müsse, weil die Kosten nicht mehr übernommen würden. Deutlich werde dieses Vorgehen insbesondere bei den privaten Krankenversicherungen, die mit niedrigen Prämien Neukunden auf sich aufmerksam gemacht haben. Ihr Konzept habe auf Dauer nicht funktionieren können, so Gaidzik. Sie arbeiten jetzt stärker als zuvor mit dem Rotstift. So werde zu Tabletten geraten, statt die nötige Operation zu bezahlen, die von der gesetzlichen Krankenkasse ohne Weiteres genehmigt würde.

Zu den hausgemachten Problemen kommen politische Versäumnisse. Die Gebührenordnung für Ärzte ist rund 20 Jahre alt und damit auf einem nicht mehr haltbaren Stand. „Hier muss dringend reformiert werden“, fordert auch Helmut Müller. Als Ombudsmann für die private Kranken- und Pflegeversicherung bekommt er die häufigen Reibereien zwischen PKV und Kunden immer öfter zu spüren. Ähnlich ergeht es den Verbraucherzentralen, die sich mit den Beschwerden von privat Versicherten auseinandersetzen müssen. Von der Verbraucherzentrale Niedersachsen heißt es zu den Sparmaßnahmen: „Da geht es nach dem Prinzip, Kleinvieh macht auch Mist“. Wer sich von seiner PKV falsch behandelt fühle, solle sich beschweren, raten sowohl der Ombudsmann als auch die Verbraucherschützer. Der Verband der PKV streitet ab, dass die Unternehmen weniger zahlungsbereit seien. Es werde einfach nur strenger geprüft.