Die privaten Krankenversicherungen üben harsche Kritik an Ärzten und Krankenhäusern. Die Zahl der Rechnungen mit nicht plausiblen Positionen nehme immer weiter zu. Aktuell seien es rund zehn Prozent, schätzen die großen der Branche, DKV, Allianz und Gothaer. Hinzu komme, dass viele Mediziner häufiger Zuschläge zum Honorar verlangten, weil sie es mit erschwerten Behandlungen zu tun hätten. Aus Sicht der PKV ist dieser Anstieg nicht nachvollziehbar, heißt es im „Spiegel“. Seitens der Bundesärztekammer erklärte man im „Tagesspiegel“, man könne nicht ausschließen, dass hin und wieder ganz einfach „zu viel getan wird“.

Joachim Patt, Geschäftsführer beim Verband der Privaten Krankenversicherer, sagt unumwunden, er habe schon lange keine Rechnung mehr zu Gesicht bekommen, die zu 100 Prozent in Ordnung war. Mit Hilfe des Computers und entsprechender Software sorgten Ärzte dafür, dass die Rechnungen optimiert würden und abhängig vom Krankheitsbild der Höchstsatz abgerechnet werde. 2007 summierten sich die Ärztehonorare für die 8,5 Millionen Privatpatienten auf 4,5 Milliarden Euro. Damit liegt der Zuwachs bei rund sechs Prozent. Im Vergleich dazu stiegen die Ausgaben für die Kassenpatienten um gerade einmal drei Prozent - dabei sind es hier 72 Millionen Mitglieder. Diese Entwicklung sieht die Bundesärztekammer als „natürliche Antwort“ auf die Zwei-Klassen-Medizin, die von der Politik gefördert werde.

Das Ergebnis sei, so der Gesundheitsexperte der FDP, Daniel Bahr, eine Überversorgung der privat Versicherten. Die Mitglieder der privaten Krankenversicherungen würden von den Ärzten dazu genutzt, ihr Einkommen zu sichern. Viele stehen dazu, weil die Sparzwänge der gesetzlichen Krankenkassen ihnen keine andere Wahl ließen. Ein weiteres Problem für die Mediziner sei die veraltete privatärztliche Gebührenverordnung. Die Bundesärztekammer drängt schon lange darauf, sie komplett zu überarbeiten, damit Fehler ausgeschlossen werden könnten. Das alte Modell sehe moderne Behandlungen beispielsweise gar nicht vor.

Die Kritik der PKV richtet sich allerdings nicht ausschließlich gegen die Ärzte. Auch Krankenhäuser haben Mittel und Wege gefunden, höhere Rechnungen zu schreiben. Dazu würden Privatkliniken ausgelagert, die dann statt 1.400 rund 4.000 Euro verlangten. Nötig sei dieser Schritt, so die Ärzte, um mehr Komfort zu bieten und sich so im härteren Wettbewerb halten zu können.