Die Gesundheitsreform hat es bislang nicht geschafft, positive Schlagzeilen zu machen, und wird wohl auch in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder in die Kritik geraten. Die privaten Krankenversicherungen haben als Erste den Zeigefinger erhoben. Sie sträuben sich gegen den Basistarif und zum Teil auch gegen die Wechselmöglichkeit ihrer Kunden. Mittlerweile schießt auch die Opposition gegen die Gesundheitsreform. Ihr geht es dabei in erster Linie um den so genannten Gesundheitsfonds, aus dem die gesetzlichen Kassen ab 2009 gespeist werden sollen. Am 3. September steht nun eine Anhörung im Gesundheitsausschuss auf dem Programm.

Geladen haben die FDP und die Grünen. Beide Parteien sprechen sich strikt gegen den Gesundheitsfonds aus. Auf ihrer Seite wissen sie namhafte Wissenschaftler, die dem Fonds nur eine relativ kurze Halbwertzeit voraussagen. Freunde machen sie sich bei der großen Koalition damit nicht. Denn SPD und CDU können die Kritik nicht mehr hören, sondern möchten lieber stur auf Kurs bleiben. Daher hatten die beiden großen Parteien die Anhörung auch abgelehnt.„Wir wollen die Gelegenheit nutzen, mit Experten die Umsetzungsprobleme des Gesundheitsfonds zu diskutieren“, so Daniel Bahr von der FDP. Mit von der Partie sein werden Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen.

Dazu darf auch der Vorsitzende des Sachverständigenrates für die Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, der Ökonom Eberhard Wille, gezählt werden. Er sieht im Gesundheitsfonds keine Lösung für die Finanzierungsprobleme des Gesundheitswesens. Einnahmen und Ausgaben seien schon seit einiger Zeit nicht mehr deckungsgleich. Das führe dazu, dass mit der nächsten Legislaturperiode die nächste Finanz- bzw. Gesundheitsreform nötig werde. Hinzu kämen demnächst Mehrausgaben von 2,5 Milliarden Euro für die Ärzte, drei Milliarden Euro für die Krankenhäuser und rund drei Milliarden Euro für Arzneimittel. Selbst ohne den Gesundheitsfonds seien Beitragssteigerungen kaum vermeidbar.

Dringenden Handlungsbedarf sehen auch die Krankenhäuser und Kliniken. Bert Juhnke, Geschäftsführer des privaten Krankenhausbetreibers Paracelsus, fand recht deutliche Worte „Die Kliniken stehen mit dem Rücken an der Wand.“ Sie benötigten mehr Geld, insbesondere aufgrund der gestiegenen Kosten für das Personal und die Energie. Hier müsse endlich reagiert werden. Ein weiterer Mitstreiter im „Kampf“ gegen die Gesundheitsreform ist der Verband der privaten Krankenversicherungen (PKV). Von Seiten der privaten Krankenversicherer wünscht man sich vor allem, dass der Wechsel in die PKV für Angestellte wieder leichter wird.