Die Gesundheitsversorgung in der Bundesrepublik gerät immer mehr unter Beschuss. Mitte Mai wird die Deutsche Ärzteschaft im Rahmen des 111. Ärztetages ihren Forderungskatalog „Gesundheitspolitische Leitsätze der Ärzteschaft“ auf den Weg bringen. Dabei geht es in erster Linie um die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Das Sanierungsprogramm basiert unter anderem auf Ideen, die bei den privaten Krankenversicherungen schon seit Jahren zum Zuge kommen und sich bewährt haben. Zentraler Punkt ist ein an die Altersrückstellungen der PKV erinnernder Gesundheitssoli als Demographie-Reserve, mit dem Rentner stärker an den steigenden Kosten beteiligt werden sollen.

2005 waren rund 17 Millionen Rentnerinnen und Rentner über eine GKV versichert. Sie zahlen bei höheren Kosten weniger ein. Diese Schere von Einnahmen und Ausgaben geht immer weiter auseinander. Betrug die Lücke 1993 noch 25 Milliarden Euro, sind es inzwischen schon 35 Milliarden Euro. Diese Quersubventionierung müsse laut Bundesärztekammer reduziert werden, einerseits durch einen demographiebezogenen Ausgleichsfaktor, andererseits durch den Aufbau eines Altersrückstellung-Systems. Die Umverteilung zu Lasten junger Menschen soll damit gestoppt werden.

Weitere Forderungen der Ärzte sind unter anderem:

  • Die Einnahmebasis der Kassen soll verbreitert werden, indem alle Einkünfte bei der Beitragsberechnung einfließen.
  • Nur Elternteile, die sich ausschließlich der Kindererziehung widmen, sollen beitragsfrei mitversichert und die Versicherung der Kinder über Steuern finanziert werden.
  • Die Versicherten sollen vermehrt zur Risikominderung beitragen, durch Prävention und Gesundheitsvorsorge.
  • Verzicht auf die Angleichung der privaten an die gesetzliche Versicherung.

Keine Mehrheit fand der Vorschlag, eine Volksversicherung für alle einzuführen, die sich an den privaten Krankenversicherungen orientiert und mit eingeschränkten Risikoprämien arbeitet.