Oft im Leben kommt es nur auf den richtigen Zeitpunkt an. Zögert man, ist die Chance möglicherweise verpasst. Ist man zu voreilig, kommt das richtig gute Angebot erst später. Vor diesem Dilemma stehen aktuell viele gesetzlich Krankenversicherte, die in die private Krankenversicherung wechseln wollen. Was ist der richtige Zeitpunkt? Noch in diesem Jahr, um sich die günstigen Alt-Tarife zu sichern? Oder doch erst 2009, wenn die Beiträge um bis zu zehn Prozent steigen, dafür aber mehr Flexibität, konkret Wechselfreiheit, geboten wird? Verbraucherschützer und unabhängige Experten favorisieren Variante zwei, die Unternehmen im PKV-Verband den sofortigen Umstieg.

„Ich würde jedem raten, der kann, noch in diesem Jahr in die private Krankenversicherung zu wechseln“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna, Reinhold Schulte. Ins gleiche Horn dürften fast alle Vorstände der privaten Krankenversicherungen stoßen. Sie leiden derzeit besonders unter der Gesundheitsreform und einem merklichen Schwund an Neukunden. „Die PKV kommen momentan von allen Seiten unter Druck“, erklärt Axel Großpietsch. Der Versicherungsanalyst bei Fitch Ratings schätzt, dass die Zugänge auf Dauer nicht mehr die Abgänge bei den privaten Krankenversicherungen kompensieren können. Kein Wunder also, dass die Werbetrommeln lauter denn je gerührt werden.

Dabei setzen die PKV in erster Linie auf das Kostenargument. Denn es wird teurer. Daran gibt es keinen Zweifel. Abhängig von Alter und Geschlecht erhöht sich der Beitrag für Neukunden ab 2009 zwischen zwei und zehn Prozent. Das liegt daran, dass Kunden bei einem Wechsel der Gesellschaft einen Teil ihrer Altersrückstellung mitnehmen können. Dieses Kapital fehlt den PKV dann, um notwendige Anpassungen der Prämien abzufedern. Dieses Argument wird sich auf Dauer jedoch nicht halten können. Schon in wenigen Jahren werde es keinen Unterschied mehr zwischen den alten und neuen Tarifen geben, sagt der Versicherungsmathematiker Peter Schramm. Denn auch in den Alttarifen würden die Beiträge zukünftig im Schnitt um fünf Prozent im Jahr steigen.

Deshalb lohnt es sich durchaus, noch bis 2009 zu warten und erst dann die Unterschrift auf den Vertrag mit einer privaten Krankenversicherung zu setzen. Bestandskunden dürfen nur innerhalb der ersten sechs Monate des kommenden Jahres den Anbieter wechseln und auch nur in den Basistarif, in dem sie 18 Monate verbleiben müssen. Für Kunden, die erst ab 2009 in der PKV versichert sind, gilt diese Frist nicht. Sie können weitaus flexibler agieren und auf Trends reagieren. Dass sich einiges tun wird und ein echter Verdrängungswettkampf um junge und gesunde Kunden beginnt, steht für die Experten außer Frage.