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Erstattungsfähigkeit neuer Therapieformen in der PKV

Darüber, welche Behandlungsmethoden von den privaten Krankenversicherungen übernommen werden müssen, und welche im Bereich der alternativen Verfahren angesiedelt und somit nicht erstattungsfähig sind, gibt es immer wieder Streit. Das Oberlandesgericht Koblenz hat jetzt ein Urteil gesprochen, das wegweisend sein könnte. Demnach müssen die Kosten für neue Methoden auch dann erstattet werden, wenn sie noch nicht hinreichend wissenschaftlich dokumentiert sind, die Behandlung unter medizinischen Gesichtspunkten aber vertretbar ist. Anderenfalls würde jeder medizinische Fortschritt unterbunden.

Gegenstand des Verfahrens war die Behandlung von Prostatakrebs. Arzt und Patient hatten sich darauf verständigt, es mit der HIFU-Methode zu versuchen, bei der hochfrequenter Ultraschall die Tumore mit Hitze zerstört. Die PKV weigerte sich, die Kosten in Höhe von 9.000 Euro zu übernehmen. Das Landgericht bestätigte die Argumentation der privaten Krankenversicherung. Sie hatte darauf verwiesen, dass nur bei einer herkömmlichen operativen Behandlung die Kosten erstattet würden. Falsch, sagte das Oberlandesgericht und revidierte die Entscheidung der ersten Instanz. „Eine private Krankenversicherung ist verpflichtet, jede notwendige Heilbehandlung zu bezahlen“, heißt es im Urteil. Welche Methode Anwendung finde, wenn mehrere zur Wahl stünden, sei die Entscheidung von Arzt und Patient.

Die Erstattungsfähigkeit richte sich nicht danach, ob das Verfahren bereits allgemein anerkannt ist. Zu prüfen sei vielmehr, ob es „zur Heilung, Linderung und Verhinderung der Ausbreitung der in Rede stehenden Erkrankung geeignet ist“. Selbst, wenn die Therapie in der Literatur noch nicht nach wissenschaftlichen Standards bewertet und dokumentiert worden sei, stehe dies der Annahme der medizinischen Notwendigkeit nicht entgegen. Entscheidend sei, dass es schlüssige Anhaltspunkte für die Eignung des Verfahrens gibt.

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